Hoher Krankenstand: „Je zufriedener eine Person ist, desto geringer ist die Gefahr einer Krankmeldung“
Die Debatte über hohe Krankenstände konzentriert sich oft auf vermeintliche „Blaumacher“ und Forderungen nach Karenztagen. Der RND-Beitrag zeigt jedoch ein deutlich komplexeres Bild: Fehlzeiten haben viele Ursachen – und ein großer Teil davon liegt nicht im fehlenden Arbeitswillen, sondern in Arbeitsbedingungen, Belastungen und der Qualität von Führung.
Manuel Fink unterscheidet fünf mögliche Gründe für Abwesenheiten: medizinische Erkrankungen, schädliche Arbeitsgestaltung, persönliche Belastungen, Konflikte im Unternehmen und motivationsbedingte Fehlzeiten. Entscheidend ist, die jeweilige Situation zu verstehen, statt alle Krankmeldungen über einen Kamm zu scheren. Gerade Überlastung, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder ungelöste Konflikte können dazu führen, dass Mitarbeitende häufiger ausfallen.
Auch Präsentismus gehört zur Problematik. Wer trotz Krankheit arbeitet, gefährdet die eigene Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und langfristig das Team. Hinzu kommen Faktoren wie die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, telefonische Krankschreibungen und veränderte Infektionslagen, die bei der Bewertung steigender Fehlzeiten berücksichtigt werden müssen.
Für Unternehmen liegt der Hebel deshalb vor allem in Prävention und Dialog. Führungskräfte sollten nach einer Fehlzeit nicht nach Diagnosen fragen, sondern ein Gespräch darüber ermöglichen, ob Belastungen oder Probleme im betrieblichen Umfeld eine Rolle gespielt haben. So können Ursachen erkannt werden, bevor sie sich verfestigen.
Zufriedenheit ist dabei kein weicher Nebenaspekt, sondern ein entscheidender Faktor. Wer sich gesehen, fair behandelt und sinnvoll eingebunden fühlt, ist stärker mit dem Unternehmen verbunden. Gute Führung fördert Motivation und verhindert Demotivation – und genau darin liegt eine wirksame Möglichkeit, Fehlzeiten nachhaltig zu reduzieren.