Reizthema Krankenstand

Der Krankenstand in Deutschland ist seit Jahren hoch, doch einfache Erklärungen greifen zu kurz. Im Gespräch mit der DGFP beschreibt Manuel Fink ein Zusammenspiel aus demografischem Wandel, steigender Belastung, veränderten Regeln nach der Pandemie und einer besseren Erfassung von Krankmeldungen. Unternehmen sollten deshalb nicht allein auf allgemeine Durchschnittswerte schauen, sondern sich mit vergleichbaren Wettbewerbern messen.

Die Forderung nach einem Karenztag bewertet Fink kritisch. Sie würde Menschen treffen, die tatsächlich krank sind, und könnte dazu führen, dass Beschäftigte krank zur Arbeit kommen. Statt Druck auszuüben, sollten Unternehmen die Ursachen hinter Fehlzeiten verstehen und strukturell daran arbeiten, Belastungen und vermeidbare Ausfälle zu reduzieren.

Ein professionelles Fehlzeitenmanagement braucht Transparenz, aber kein Misstrauen. Die R.U.F.®-Methode betrachtet Länge, Häufigkeit und mögliche Ursachen individueller Fehlzeiten. Dadurch können Führungskräte unterscheiden, ob etwa eine längere medizinische Erkrankung vorliegt oder wiederkehrende Muster auf Probleme in der Arbeitsorganisation, im Team oder in der Führung hinweisen.

Der zentrale Ansatz ist das Gesundheitsfördergespräch. Es ist zukunftsgerichtet und soll Wertschätzung, Bindung und konkrete Verbesserungen ermöglichen. Statt Diagnosen einzufordern, geht es um die Frage, ob betriebliche Faktoren zu den Fehlzeiten beitragen. So wird aus dem sensiblen Thema Krankenstand eine gemeinsame Aufgabe für Führungskräfte und Mitarbeitende.